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Muhadschir (Auswanderer aus Mekka)

Muhadschir bedeutet "jemand, der einen Ort verlässt; der sein Land verlässt und an einen anderen Ort zieht". Die Pluralform Muhadschirun beschreibt die Muslime, die sich nach der Verkündung des Islam durch den Propheten zum Islam bekannt haben und seitens der Ungläubigen aus Mekka Zwang und Pein ausgesetzt waren. Diese Muhadschirun konnten die unerträglichen Schikanen, welche sie in Mekka laufend erdulden mussten, und die sie auch in der Verkündigung des neuen Glaubens behinderten, nicht mehr ertragen und verließen schließlich Mekka, um nach Medina auszuwandern.

Im fünften Jahr der Offenbarung stieg der Druck, die Quälerei und sogar Folter der Mekkaner so sehr, dass der Prophet den Muslimen vorschlug, nach Äthiopien auszuwandern, um ihren Glauben ungestört leben zu können. Auf diesen Vorschlag hin emigrierte eine kleine Gruppe, darunter Uthman und seine Frau Ruqayya, die Tochter des Propheten, nach Äthiopien. Als man erkannte, dass diese Gruppe keinerlei Problemen ausgesetzt war, wanderte ein Jahr später eine noch größere Gruppe nach Äthiopien aus.

Die Hidschra (Auswanderung) nach Äthiopien war aber auch keine Lösung des vorhandenen Problems. Die Ungläubigen aus Mekka versuchten zunächst Nadschaschi, König Äthiopiens, der die Muslime freundlich aufnahm, von diesem Tun abzuraten; als ihnen dies nicht gelang, steigerten sie den Druck auf die Muslime in Mekka. 

Währenddessen führte der Prophet seine Einladungen zum Islam fort und verkündete im elften Jahr der Prophetie einer Gruppe von sechs Männern aus Medina den Islam; diese nahmen den islamischen Glauben an und teilten ihn ihren Mitmenschen in Medina mit und kamen im darauffolgenden Jahr mit weiteren zwölf Männern wieder. Diese Männer leisteten den Bay'a (Treueschwur) an den Propheten in Aqaba. Zur Zeit der Hadsch (der jährlichen Pilgerfahrt nach Mekka) im Jahre 13 stieg die Zahl der Muslime aus Medina auf 75; diese wiederholten den ersten Bay`a zu Aqaba und luden den Propheten ein, sich in Medina niederzulassen.  

Auf diese aufrichtige Einladung und  den Bay`a hin wurde dem Propheten von Allah befohlen, nach Medina auszuwandern, woraufhin der Gesandte Allahs auch den Ashab seine Erlaubnis zur Hidschra aussprach. Daraufhin begannen die Muslime im April des Jahres 622 in kleinen Gruppen und ohne Aufsehen zu erregen Mekka zu verlassen und nach Medina auszuwandern. Als letzte verließen der Prophet und Abu Bakr gemeinsam Mekka und Ali, der in jener Nacht der Hidschra im Zimmer des Propheten verweilte, holte diesen in der Stadt Quba ein.

Mit dem Eintreffen des Propheten in Medina wurde die große Hidschra beendet und es begann eine neue Ära in der Geschichte des Islam. Von der ersten Hidschra bis zur Eroberung Mekkas war es die Pflicht jedes Muslims, in dessen Kräften es lag, nach Medina auszuwandern. Nach der Eroberung Mekkas wurde diese Pflicht aufgehoben.

Während der Hidschra hatten die Muslime, allen voran der Prophet und Abu Bakr, seelisch und körperlich sehr viel leiden müssen. Manche Muhadschir konnten aufgrund von Glaubensstreitigkeiten innerhalb der Familie ihre Frauen und Kinder nicht mitnehmen, ihr Hab und Gut wurde beschlagnahmt, andere wieder konnten ihre Forderungen gegenüber den Quraisch nicht in Anspruch nehmen. Einige Muslime wurden noch zu Beginn der Hidschra auf dem Weg festgenommen und gefoltert.

Es fiel den Muhadschir auch nicht leicht, sich an Medina zu gewöhnen; sie trauerten um ihre Heimat, ihr Hab und Gut; viele trauerten sogar um ihre Verwandten, die sie zurückgelassen hatten.

Gleich nach der Hidschra führte der Prophet eine Muahat (Bruderschaftszeremonie) durch und verbrüderte dabei jeden Ansar (Helfer) mit einem Muhadschir. Daraufhin verhielten sich die Ansar überaus gastfreundlich und selbstlos und sie unterstützten ihre eingewanderten Brüder geistig und finanziell. Dieses Verhalten zwischen den Ansar und Muhadschir wird im Koran folgendermaßen beschrieben: „Siehe, diejenigen, welche glauben und ausgewandert sind und mit Gut und Blut Allahs Weg stritten und (dem Propheten) Herberge und Hilfe gewährten, die sollen sein einer des andern Verwandter." (al-Anfal, 8/ 72)

Die Muhadschir erkrankten auch eine Zeit lang an den Folgen des für sie ungewohnten Klimas in Medina; der Prophet betete sogar dafür, dass die Luft Medinas den Muhadschir besser bekommen würde.

Diese aufrichtigen Muslime, die an die Offenbarung trotz aller Schwierigkeiten glaubten und in ihrem Sinne lebten, die im Namen Allahs und seines Gesandten alles Hab und Gut, alle Freunde und Verwandte in Mekka zurückließen, hatten das Wohlwollen und die Beachtung Allahs verdient. Im heiligen Koran gibt es viele Verse, welche die Eigenschaften der Muhadschir und ihre hohe Stellung vor Allah beschreiben.

In der Sure al-Tawba heißt es: „Diejenigen, welche gläubig wurden und auswanderten und in Allahs Weg eiferten mit Gut und Blut, nahmen die höchste Stufe bei Allah ein. Und sie, sie sind die Glückseligen." (al-Tawba, 9/20).

Allah teilte mit, dass den Muhadschir, die in seinem Namen pilgerten, alle Sünden vergeben werden: „Und diejenigen, die da auswanderten und aus ihren Häusern vertrieben wurden und in meinem Wege litten und kämpften und fielen - wahrlich, bedecken will ich ihre Missetaten, und wahrlich führen will ich sie in Gärten, durcheilt von Bächen: Als Lohn von Allah; und Allah - bei ihm ist der schönste Lohn." (Al-i Imran 3/195).

Neben den Koranversen gibt es auch viele Überlieferungen, in welchen die Muhadschir geehrt werden. Die Überlieferungen berichten darüber, wie sie zur Zufriedenheit Allahs und seines Gesandten die Hidschra begonnen hatten; es wird zudem berichtet, dass sie als Erste ins Paradies eingehen werden, sie die beste Generation der Umma (der muslimischen Gemeinschaft) seien und ihr Gesicht am Jüngsten Tag „so hell scheinen wird wie die Sonne".

Die Muhadschir standen dem Propheten in seinen schwersten Zeiten beiseite und genossen sowohl während der Zeit der Offenbarung als auch nach seinem Tod eine ganz besondere Stellung. Unter diesen sind insbesondere die Kalifen Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali, zudem Zaid b. Hârise (ra), Abdurrahman b. Awf (ra), Sa‘d b. Abî Waqqas (ra), Talhâ b. Ubaydullah (ra), Zubair b. Awwam (ra), Abu Ubaida b. Dscharrah (ra), Arqam b. Abi'l Arqam (ra), Abdullah b. Masud (ra), Mus‘ab b. Umayr (ra), Bilâl al-Habaschi (ra) und Abu Dhar al-Ghifari (ra) zu nennen.

Bibliografie

KOÇYİĞİT, Talat. Hadis Terimleri Sözlüğü, Rehber Verlag, Ankara 1992.

ALGÜL, Hüseyin. "Muhâcirûn", İslâm'da İnanç İbâdet ve Günlük Yaşayış Ansiklopedisi, c. III, Marmara Üniversitesi İlâhiyat Fakültesi Vakfı Verlag, Istanbul 1997.

TELLİOĞLU, Ömer. "Muhâcirûn", Şâmil İslâm Ansiklopedisi, c. V, Şâmil Verlag, Istanbul 1999.

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