Dossier
Karikaturkrise
 

Karikaturkrise: Einige Gedanken zu ihrer Wahrnehmung und Darstellung

Das Team von derletzteprophet.info hat sich während dem letzten Filmfestival (2009) in İstanbul den ("Dokumentar"-) Film des französischen Regisseurs Daniel Leconte " C'est dure d'être aimé par des cons (Es ist schwierig, von Idioten geliebt zu werden, 2008)" gemeinsam angeschaut. Hier den überarbeiteten und etwas verkürzten Text mit den Gedanken, die sich die Editorin der englischen Seite zum Film und der Thematik allgemein gemacht hat. Der Film wurde nur am ersten Tag des Festivals gezeigt. Er handelt von der Anklage, welche die französischen Muslime gegen die Zeitschrift Charlie-Hebdo geführt hatten und der anschließenden Gerichtsverhandlung (2007). Charlie-Hebdo hatte die Karikaturen, welche in Dänemark veröffentlicht wurden, um die eigenen erweitert, noch einmal gedruckt und somit den Streit um diese neu entfacht.

Im Film wird festgehalten, wie das Fallenlassen der von den französischen Muslimen erhobenen Anklage von den Intellektuellen Frankreichs als Triumph der Demokratie gefeiert wurde. Die Muslime, welche die Anklage erhoben hatten, wurden indes als intolerant und engstirnig dargestellt. Im Namen der Meinungs- und Pressefreiheit war die Veröffentlichung der Karikaturen von der Presse in ganz Europa unterstützt worden.

Der Respekt, den die Muslime vor dem Propheten haben, ist so groß, dass sie beim Aussprechen seines Namens die sog. Salawat (Salatu-Selam: Gebets- und Grußformel für den Propheten) aussprechen. Zu dieser Grußformel gibt es Überlieferungen des Propheten selbst, so sagte er z. B..:", Wer den Segen über mich ausspricht, den segnen die Engel, so oft er den Segen ausspricht, sei es häufig oder selten."

Ähnliche Dimensionen von Respekt vor einer Person, hier dem Propheten, findet man in jeder traditionellen Gesellschaft.

In der westlichen Gesellschaft wurde der Respekt vor dem Heiligen über Tabuisierungen geführt, Staat und Kirche waren immer Konkurrenten. Die Notion des Heiligen wurde wegen dieser Tabuisierung kritisiert, manchmal brutal angegriffen, sogar aufgehoben; dies oft unter dem Aspekt der Meinungsfreiheit. Im Islam jedoch wird dem Koran soviel Respekt gezeigt, dass man ihn nicht einmal unter der Gürtellinie hält, aus aufrichtigem, innigem Respekt streckt man seine Beine oder Füße nicht aus in die Richtung von etwas als heilig Akzeptierten, und aus demselben Grund werden die Gesichter keines Propheten dargestellt. Diese Auffassung hat sich über Jahrhunderte erhalten und darf nicht als Einschränkung der Ausdrucksfreiheit, sondern als Zeichen von Respekt verstanden werden. In der westlichen Gesellschaft wird nicht nur Mohammed (sav), sondern es werden auch die anderen Propheten und religiöse Werte allgemein oft ins Lächerliche gezogen. Dies wird innerhalb der geschichtlichen Entwicklung als Ausdruck von Freiheit bewertet. In der islamischen Welt jedoch werden das, was heilig ist und das, was komisch ist, getrennt. Was von der Gesellschaft als innerhalb der Grenzen des verinnerlichten Respektes verstanden wird, hat nicht die gleiche Geschichte wie im Westen.

Dieses grundlegend verschiedene Verständnis und Blickwinkel darf aber die Suche einer Lösung nicht behindern. Ohne Zweifel sind die beiden Auffassungen grundverschieden. Deshalb kann die westliche Welt die Reaktionen der Muslime auf die Karikaturen nicht verstehen. Und damit werden diejenigen, welche über eine andere Wahrnehmung verfügen und über die Karikaturen nicht lachen, als "Unterdrücker" oder als intolerant abgestempelt. Aber wenn es hier wirklich um ein Missverständnis geht, so liegt dies nicht nur an demjenigen, der falsch versteht, sondern auch an dem, der sich nicht richtig verständlich machen kann. Um es anders zu sagen; die islamische Welt sollte sich schon seit Langem um gegenseitiges Verstandenwerden bemühen.

Neben den Unterschieden in der Wahrnehmung besteht jedoch ein bewusstes Bestreben, den Antiislamismus zu schüren; die Karikaturen sind nicht das einzige Beispiel. Viele Initiativen in Europa können dies nicht leugnen. So erweiterte der rechtsextreme holländische Politiker Geerts Wilder den Begriff "Idiot" um die Dimension der Bedrohung. Wilders bezieht sich auch nicht nur auf die, welche die Karikaturen "nicht verstehen", sondern auf die ganze islamische Welt und sieht sie als eine Bedrohung für die Ausdrucksfreiheit. Wenn er behauptet, der Islam beherberge Gewalt und die Muslime in Europa und Amerika seien eine Bedrohung, sein Ziel sei aber nicht ein Angriff auf die Muslime, muss gefragt werden, wer denn die "nicht gemeinten" Muslime sind.

Was ist die Aufgabe der islamischen Welt? Weswegen kann keine schlüssige Antwort gegeben werden? Wieso tun wir uns so schwer, etwas dem Gegenüber zu erklären? Welche Ausdrücke benutzen wir falsch oder ungenügend, um Gegner der Ausdrucksfreiheit genannt zu werden?  Es scheint, als müssten wir auch etwas dazu tun, um die Antworten auf diese Beschuldigungen zu finden. Die islamische Welt hat während Jahrhunderten gegenüber dem Propheten und dem "Heiligen" immer Respekt empfunden, heute muss sie zeigen, "wie" sie Mohammed (sav) liebt und ehrt.

 

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