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Inschriften in Moscheen: Die Koranverse der Masdschid Al-Haram und der Masdschid Al- Nabawi

ImageDas Verwenden von Koranversen zum Ausschmücken von historischen Gebäuden und Kunstwerken ist ein wichtiger Bestandteil islamischer Kultur. Wie in der Literatur, so werden auch in Kunstwerken Verse, Hadith (Überlieferungen) und Sprichwörter verwendet und man glaubt, dass diese Passagen auf den Werken wie „Edelsteine strahlen" und diesen einen besonderen Wert verleihen.

Worauf wird nun aber geachtet, wenn der Koran auf Kunstwerken zitiert wird, d. h. wenn verschiedene Kunstwerke und insbesondere Bauwerke, mit Versen verziert werden? Wir werden die Antwort auf diese Frage im Rahmen der Masdschid al-Haram (das heilige Gebiet um die Kaaba) in Mekka und der Masdschid al-Nabawi (der Moschee des Propheten) in Medina und benachbarten Bauwerken suchen.

Verse und Suren, über deren Vorzüge Überlieferungen vorhanden sind

Verse und Suren, über deren Vorzüge Überlieferungen vorhanden sind, werden wie in fast allen islamischen Bauwerken auch in den heiligen Stätten vorgefunden; zusätzlich zu der am Anfang von Versen und Suren und zum Teil auch eigenständig stehenden Basmala (der Satz „bismillahirrahmanirrahim", welcher übersetzt Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen" bedeutet), sind auch die Ayat al-Kursi (der Thronvers, al-Baqara, 2/255) und die Suren al-Ikhlas und al-Fatiha, welche die erste Sure des Korans ist und „die Öffnende" bedeutet, fast überall anzutreffen.

Am unteren Teil der Kuppel der Masdschid al-Nabawi - alter Abschnitt - stehen die Suren Al-An'am, al-Kahf, Maryam, al-Muzammil, al-Muddathir, Ya-Sin, al-Duha, al-Dschum'a, al-Rahman, al-Schams, al-Layl, al-Mulk, al-Naba', al-Inschirah, al-Takathur, al-Fath, al-Qadr, al-Alaq, al-Ikhlas, al-Mu'awwizatayn (d.h. al-Falaq und al-Nas) und die ersten fünf Verse (ElifLâmMîm,  al-Baqara, 1/1-5) und die letzten beiden Verse der Sure al-Baqara (bekannt als Amanarrasulu, d. h. al-Baqara, 1/285-286). Im Gewölbe der Masdschid al-Nabawi - neuer Abschnitt - stehen die Suren al-Nasr, al-Waqi'a, al-Dschum'a, al-Mulk, Mohammed, Ya-Sin, al-Dukhan, al-Hudschurat, al-Inschirah, al-Ikhlas, Mu'awwizatayn; in der Kuppel der Quba Moschee (der ersten Moschee des Islam am Eingang von Medina) stehen ein Teil der Sure al-Fath, die Suren al-Hudschurat, al-Dschum'a, Ya-Sin, al-Qadr, al-Rahman, al-Nasr, al-Asr, al-Kawthar und die Verse (İbrâhim 14/34, âtâküm min külli mâ seeltümûh...), und an den Wänden, Ayat al-Kursi (al-Baqara, 2/255), Huwa'llahulledhi (d.h. al-Haschr, 59/22-24 und Amanarrasulu (d.h. al-Baqara, 2/285-286)

Die Tatsache, dass diese drei Gebetsorte beinahe alle Verse und Suren enthalten, über deren Vorzüge Überlieferungen vorhanden sind, ist sehr beachtenswert.

Da diese Schriften sehr viel Platz in Anspruch nehmen, kann man in türkischen Bauwerken - von einer vollständigen Abschrift einmal abgesehen - selbst die Sure al-Fath selten in vollständiger Version vorfinden.

Auch auf den Koran bezogene Verse können in diesem Rahmen betrachtet werden. So stehen die Verse Dhâlika min anbâi'l-ghayb nûhīhâ ilayk... (Âl-i İmrân, 3/44) und Fa-idhâ qara'ta'l-Qur'ân... (al-Nahl, 16/98), Lâ ya'tîhi'l-bâtılu min bayni yadayhi ve lâ min khalfih... (Fussilat, 41/42) ...  an der Frontseite der Rawda-al Mutahhara (dem heiligen Garten, der zwischen dem heiligen Grab in Medina und der Kanzel der heiligen Moschee liegt).

Verse, die mit dem Bauwerk, seiner Errichtung und seiner Funktion in direktem Verhältnis stehen

Das beste Beispiel für einen Vers, der direkt mit einem Bauwerk in Verbindung steht, wären die Verse zum Kaabaschleier, -Schloss und -Schlüssel, Verse zur Errichtung der Kaaba, Verse, die darüber berichten, dass die Kaaba die erste Gebetsstätte ist, die Gebetsrichtung darstellt, eine Pilgerstätte ist und stets in Sicherheit und Wohlbefinden betreten wird; Verse an den Schlössern und Schlüsseln der Kaaba mit dem Begriff „fath"(„Öffnen"): Innâ fatahnâ laka (al-Fath, 48/1); die Verse, worin der Schlüssel erwähnt wird: Wa ‘indahu mafâtihu'l-ghayb... (al-An'am, 6/59), der Vers inna's-Safâ wa'l-Marwata... (al-Baqara, 2/158) die am Safa-Merve Ausgang der Kaaba mit osmanischen Schriften am neuen unteren Gewölbe der Kuppel auf dem Safahügel angebracht sind, der Vers wa'ttakhizû min maqâmi Ibrâhîma musallâ (al-Baqara, 2/125) an dem Maqam Ibrahim; und an der Quba Moschee der Vers zur Moschee selbst la-Masdschidun ussisa ‘ala't-taqwâ... (al-Tawba, 9/108) - sowohl an der Gebetsnische als auch draußen an einer Steinsäule - und der Vers zur Gebetsrichtung qad narâ... (al-Baqara, 2/144) an der Gebetsnische der Qiblatayn-Moschee (der Moschee mit den zwei Kibla [Gebetsrichtungen] in Medina).

Verse, die sich direkt oder indirekt auf den Erbauer - oder auf jemanden der an jenem Ort gelebt oder begraben wurde - richten

Beispiel: Verse an der Abdeckung der Kaaba über Abrahams Einladung zur Kaaba und der Errichtung der Kaaba seitens Abraham und seinem Sohn, Verse an den Türen der Masdschid al-Haram über ihre Erbauer - während und vor der osmanischen Epoche -, Verse über den Propheten Mohammed (sav), insbesondere Verse in denen die Worte Mohammed und Nabi vorkommen (sein Prophetentum, seine Beispielhaftigkeit für seine Gemeinde, die notwendige Wertschätzung seiner Person usw.) an Schleiern an der Gebetswand der Masdschid al-Nabawi, an dem Raum und an der Gebetsnische angebracht sind, Verse wie wasîqa'lladhîna'ttaqaw Rabbahum ila'l-Dschannati  zumarâ (al-Zumar, 39/73) an der Rückwand des Raumes, an der Frontseite der Rawda al-Mutahhara: Verse über die Gefährten des Propheten, die gemeinsam mit ihm an der Errichtung eines islamischen Staates gearbeitet hatten Mohammedun rasûlû'llāh wa'lladhîna ma'ahû... (al-Fath, 48/29), Verse an den Osmanischen Sultan Sulayman den Prächtigen und den Mamelukischen Sultan Kayitbay, Gebetsnischen, in denen wieder über die Gefährten berichtet wird: at-tâ'ibûna'l- ‘âbidûna... (al-Tawba, 9/112); Verse wie wa-man yaqnut minkunna... (al-Ahzâb, 33/31-34), die am Eingang der Frauen an der Masdschid al-Nabawi stehen und Verse wie fa-inna'llāha huwa mawlâhu wa Dschibrîl... (al-Tahrîm, 66/4), die am Dschabrail- (Gabriel-) Tor angebracht sind ...

Ein weiteres hervorragendes Beispiel hierfür ist die Kanzel, die Sulayman der Prächtige der Kaaba schenkte, worauf auch der Vers innahû min Sulaymâna ve innahû Bismi'llâhi'r-Rahmâni'r-Rahîm steht. Der Ausdruck innahû min Sulaymâna bezieht sich eigentlich auf den Brief, den der Prophet Salomon (Sulayman) an die Königin von Saba geschrieben hatte; mit der Abschrift innahu wurde jedoch die angedeutete Person umgeändert, und so wurde aus dem Vers "Diese Kanzel ist ein Geschenk von Suleyman dem Prächtigen an die Kaaba". Wie bereits bekannt, muss ein Vers bzw. eine Überlieferung - wie auch bei den Zitaten aus der Literatur - nicht im ursprünglichen Sinne übernommen werden.

Verse bezüglich der Funktion eines Teiles eines Bauwerkes

Beispiel: der Vers qad narâ... fa-walli wadschhak.. (al-Baqara, 2/144) ist an drei Gebetsnischen der Rawda al-Mutahhara als Vers der Gebetsrichtung angebracht; der Vers kullamâ dakhala alayhâ Zakariyya'l-mihrâb (Âl-i İmrân, 3/37) ist an den Sultan Sulayman- und Kayitbay-Gebetsnischen abgefasst.

Traditionell wurde an den Türen der Kanzeln das Kalima Al-Tauhid (der Satz „Lâ ilâha illâllah", d. h. Das Bekenntnis der Einheit Gottes; „Es gibt keinen Gott außer Gott") angebracht, da dieser Satz die Grundlehre des Islam widerspiegelt.

Auch am Eingang der Kanzel des Osmanischen Sultans Murat III. in der Masdschid al-Nabawi steht das Kalima Al-Tauhid geschrieben. Bedenkt man den Zusammenhang zwischen der Kanzel und dem Freitagsgebet, so ist es leicht zu verstehen, weshalb Verse über das Freitagsgebet aus der Sure al-Dschum'a darauf abgefasst sind; und wenn man bedenkt, dass man sich bei der Predigt an den Propheten Mohammed (sav) erinnert, ist es auch klar aus welchem Grund der Vers inna'llāha wa malâikatahû yusallûna ‘ala'n-Nabiyy... (al-Ahzâb, 33/56) dargestellt wird.

Verse/ Texte, welche die Grundlehre des Islam widerspiegeln

Das Kalima Al-Tauhid, das überall anzutreffen ist, bekräftigt die islamische Beschaffenheit des Staates; die Namen Abu Bakr, Umar, Uthman, Ali, denen wir an der Umhüllung der Kaaba und an den Säulengängen der Masdschid al-Haram begegnen und insbesondere die Schrift Radiya'llāhu ‘an Abu Bakr wa ‘Umar wa ‘Uthmân wa ‘Alî wa ‘ani's-sahāba adschma'īn ("Möge Allah Abu Bakr, Umar, Uthman, Ali und allen Gefährten gnädig sein"), am unteren Rand des Kaabaschleiers, worin alle Sahaba genannt werden, betont den sunnitischen Charakter des Staates.

Mit dem Vers qul kullun ya'malu ‘alâ schâkilatih... (al-Isra, 17/84), der zwischen den Zeilen an der Kaabaumhüllung zu lesen ist, wird verdeutlicht, dass jeder nach seiner Weise handelt, jedoch Allah allein weiß, wer auf den besten Weg geleitet ist.

Verse über Objekte, die einem Bauwerk ähneln

Gleicht ein Bauwerk als Ganzes einer bestimmten Sache und gibt es hierüber auch einen Vers, so kann man diesen Vers an jenes Gebäude schreiben. An den Zamzam-Quellen (heiligen Brunnen in Mekka) steht in Zusammenhang mit dem „klaren Getränk", das Gott den Menschen bietet, die im Paradies verweilen, der Vers wa saqāhum Rabbuhum scharâban tahûrâ (al-Insân 76/21); der Vers Udkhulûhâ bi-salâmin âminîn (al-Hidschr, 15/46), mit dem die Himmelsbewohner ins Paradies eingeladen werden, wurde an allen Türen des neuen - paradiesischen - Abschnitts der Masdschid al-Nabawi abgefasst.

Ein anderes Beispiel wären die Verse Rabbi adkhilnî... (al-Isrâ, 17/80), die an jeglichen Eingängen gelesen und geschrieben werden können und die Verse fî-buyûtin adhina'llāh ... (al-Nûr, 24/36-38), der über die Moscheen berichtet, die gemeinsam am Babüssalam der Masdschid al-Nabawi abgefasst sind:

Berücksichtigt man, dass das Gebet Rabbi adkhilnî... (al-Isrâ, 17/80), gegen die Vertreibung des Propheten Mohammed (sav) aus Mekka und gegen seine Tötung seitens der Götzenanbeter empfohlen wurde, so wird klar, dass mit den Beschreibungen "mukhradsch sidq" (wahrhaftiger Ausgang) und "mudkhal sidq" (wahrhaftiger Eingang) der Reihe nach die Orte Mekka und Medina gemeint sind. Somit wird auch klar, weshalb dieser Vers an der ersten Tür der Masdschid al-Nabawi abgefasst wurde; dem Zentrum der Stadt, die dem Glauben ihre Arme öffnete.

Zudem wird in den Versen fî-buyûtin adhina'llāh ..." (al-Nûr, 24/36-38) das Verhältnis zwischen buyût (Häuser), worin die Heiligkeit und der Name Allahs leuchten und der Masdschid al Nabawi, und das Verhältnis zwischen ridschâl (Männer), die Ihn von morgens bis abends preisen, und den Gefährten (ashab) deutlich.

Verse über die Errichtung und Bebauung eines Bauwerks

Es ist zu erkennen, dass die Verse wa- mâ taf'alû min khayr... (al-Baqara, 2/197), Ulâ'ike yusâri'ûn... (al-Mu'minun, 23/61), mathalu'lladhîna yunfiqûna ... (al-Baqara, 2/261-263), innâ lâ nuzī'u adschra  man ahsana ‘amalâ (al-Kahf, 18/30) und vor allem innamâ ya'muru masâdschide'llāh... (al-Tawba, 9/18) im Sinne der guten Werke und der Bebauung darauf deuten, dass alles Gute im Namen Allahs geschieht.

Verse, die den Besuchern verschiedene Botschaften vermitteln

In allen genannten Beispielen sind bestimmte Botschaften enthalten, von denen die unten genannten besonders hervorzuheben sind:

Am Grabmal des Propheten Mohammed (sav) steht der Vers yâ ayyuha'lladhîna âmenû lâ tarfa'û aswâtakum fawqa sawti'n-Nabiyyi... (O ihr, die ihr glaubt, erhebet nicht eure Stimmen über die Stimme des Propheten, al-Hudschurât 49/2-3) geschrieben, welches die Besucher daran erinnert, still zu sein.

Die Verse wa- sâri'û ilâ... wa'l-kâzımîne‘l-ghayza ve'l-âfîne ‘ani'n-nâs va'llāhu yuhibbu'l-muhsinîn : (Âl-i İmrân, 3/133-35) am Safa-Eingang der Masdschid al-Haram erinnern nicht nur daran, für wen das Paradies vorbereitet wird, sondern sind zugleich eine sehr passende und notwendige Mahnung für solch eine Menge, in der aggressive, untolerante und unangenehme Verhaltensweisen zutage kommen könnten.

Mit den Versen Nabbi' ‘ibâdî... (al-Hidschr 15/49), wa-idhâ saalaka ‘ibâdî... (al-Baqara, 2/186), wa-baschschiri'l-mu'minîna... (al-Ahzâb, 33/47), man ya'mal sû'an... (al-Nisâ, 4/110), wa- innî la-ghaffâr.. (TâHâ, 20/82) an der Umhüllung der Kaaba und mit den Versen qul yâ ‘ibâdiya'lladhîna asrafû... (al-Zumar, 39/53), Ghâfiri'z-zenb, kābili't-tevb (al-Mu'min, 40/1-3), Kataba Rabbukum ‘alâ nafsihi'r-rahma (al-An'âm, 6/54) an der Tür der Kaaba, wird die endlose Barmherzigkeit Allahs betont und die Hoffnungslosigkeit zurückgewiesen;

Mit den Versen wa-man yaqnut... (al-Ahzâb, 33/31-34) am Eingang der Frauen der Masdschid al Nabawi  werden - am Beispiel der Ehefrauen des Propheten - an die gläubigen Frauen Ratschläge erteilt; mit dem Vers li'r-ridschâli nasīb... (al-Nisâ, 4/33) wird an derselben Stelle den Frauen und Männern empfohlen, sich ihrer Rollen anzunehmen und sich gegenseitig nicht zu begehren; mit den Versen ElifLâmMîm dhâlika'l-kitâb... (al-Baqara 2/1-5) in der Quba Moschee wird angegeben, wem es wohlergehen wird, und mit den Versen wa-sâri'û ilâ maghfiratin min Rabbikum ve Dschannatin (Âl-i İmrân, 3/133) werden die Menschen aufgefordert sich dem Gebet zu widmen; mit den Versen at-tâibûna'l-‘âbidûn... (al-Tawba, 9/112), qul sadaka'llāh... (Âl-i İmrân, 3/95), inna awla'n-nâs... (Âl-i İmrân, 3/68) an den Sultan Sulayman- und Kayitbay-Gebetsnischen und mit der Sure Quraisch am Schleier der Kaaba, wird den Besuchern ins Gedächtnis gerufen, welche Attribute ein Gläubiger besitzen muss und sie werden daran erinnert - auf dem Wege Abrahams - Allah zu ehren.

Zusammenfassung

Die Tradition der Verwendung von Koranzitaten in der Architektur zeigt uns, dass abgesehen von Inschriften, welche zum Teil als Band um das ganze Gebäude laufen, vor allem kurze, essenzielle und bewegende Verse bevorzugt werden. Diese Verse fassen die Beschreibung Allahs, den Inhalt des Korans und die Grundzüge des Islam kurz und im Wesentlichen zusammen.

Die Verse müssen nicht im ursprünglichen und eigentlichen Sinne aufgefasst werden, weil es in dieser Tradition zwischen (a) dem Bauwerk, bzw. seinen Bestandteile und (b) seinem Erbauer oder dort begrabenen Menschen vielschichtige Beziehungen gibt.

Die Verse und Suren an den Bauwerken im al-Haramayn al-Scharifayn (den heiligen Stätten in Mekka und Medina) konzentrieren sich: auf die Masdschid al-Haram, den Propheten Mohammed (sav), die Gebetsrichtung, die Pilgerfahrt, das rituelle Gebet (namaz), die endlose Barmherzigkeit Allahs und den Propheten Abraham. Es wird eine schöne Beziehung zwischen den Bauwerken und den Versen aufgebaut; die Besucher der Heiligenstätten werden mithilfe der Inschriften daran erinnert, dass sie ihre Sünden ablegen und sich bekehren können.

Diese Tradition wurde seitens befugter saudischer Instanzen, wenn auch nicht in der Masdschid al-Haram, so doch in den anderen Stätten beibehalten: an 95 Türen der Masdschid al-Haram und an den Haupteingängen, wie die der Könige Fahd und Abdulaziz, sind in großen kufischen Schriftzügen die Basmala angebracht und an fast allen möglichen Stellen der Wände der Masdschid al-Haram und insbesondere an den zusammentreffenden Säulengängen sind in kufischer Schrift die Sätze Lâ ilâha illâllah wa Muhammedun rasûlûllah getrennt abgefasst.

An den Wänden des neuen Abschnitts der Masdschid al-Nabawi und an den Wänden und am unteren Ende der Gewölbe der Quba Moschee wurden von türkischen Kalligrafen Verse und Suren angebracht. In der Mitte einer Kuppel zu schreiben, benötigt einen hohen Grad an Kunstfertigkeit und eine gewisse Erfahrung an kreisförmiger Arbeit, doch da solch eine Erfahrung nicht mehr existiert und die Aneignung sehr schwierig ist und die unteren Abschnitte der Kuppeln mehr Verse in Anspruch nehmen würden als das Zentrum der Kuppel, konnte die Tradition, an Kuppeln und an Decken Schriften anzubringen, nicht weiter fortgeführt werden. Für die Türe, die Umhüllung und den Schlüssel der Kaaba werden von Zeit zu Zeit andere Passagen ausgewählt und angebracht.

Es ist bekannt, dass die Ism al-Nabî, d. h. der Name Mohammed (einschließlich der Namen Abu Bakr, Umar, Uthman, Ali) gemeinsam mit dem Namen des Allmächtigen abgefasst werden. Genauso auch am Schleier der Kaaba, den Säulengängen der Kaaba, der Masdschid al-Nabawi und anderen Stellen. Doch um die Namen des Propheten und seiner Gefährten dem ontologisch vollkommen andersartigen Namen Allah nicht gleich zu stellen, wurde in der Quba Moschee unter dem großen Schriftzug Allah in kleineren Schriftzügen der Vers Lâtīfun bi-‘ibâdih... (al-Schûrâ, 42/19) abgefasst und unter dem Namen Mohammed, der in gleicher Größe angebracht ist, steht wieder in kleinerer Schrift der Vers Rasûlûllāh wa'lladhzîna ma'ahû aschiddâ'u ‘ale'l-kuffari ruhamâ'u baynahum (al-Fath, 48/29); auf diese Weise wollte man erreichen, dass "nicht die Namen Allah und Mohammed, sondern lediglich die Verse, in denen sie auftauchen in gleicher Größe nebeneinanderstehen". Sultan Ahmed ersetzte die Worte yâ Allah yâ Mohammed, durch die Worte yâ Allah yâ Madschîd, was eben auf dieselbe Glaubensauffassung zurückzuführen ist.  

Überlegungen zu Versen, die an bestimmten Gebetsstätten der Haramayn (d. h. der Städte Mekka und Medina) abgefasst sind, I und II, M.Ü.İ.F.D. 2003/1 und 2003/2.

 

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