Gibt es im Koran Hinweise auf die religiösen Nächte wie Beraat, Maulid, Regaib, die seitens der Muslime gefeiert werden? Gab es schon zur Zeit des Propheten oder der vier Kalifen solche Feierlichkeiten? Beantwortet von: Meral Günel – Theologin

 

Wir nennen die besonderen Nächte, die für die Muslime heilig sind, Kandil-Nächte. Zur Zeit des Osmanischen Reiches unter der Regierung von Sultan Selim II. wurden die Moscheen an diesen Abenden beleuchtet und die Minarette mit Öllampen (Kandil) geschmückt, deswegen nennt man diese Abende seitdem die Kandil- Nächte.

Es wird angenommen, dass der ayyubische Gouverneur von Erbil, Muzaffaruddin Kökböri (1190-1232), der erste war, der die Maulid-Zeremonie eingeführt hat.

Ausgehend von den Hadith über die Bedeutung des Monats Radschab, obwohl einige davon schwach oder gar erfunden sind, lässt sich schließen, dass der Prophet diesem Monat einen besonderen Wert beigemessen hat. Mit der Zeit haben die Muslime den ersten Freitagabend der heiligen drei Monate für besonders segensreich empfunden und diesen Abend gefeiert. Auch die Miradsch-Nacht wurde als eine gesegnete Nacht, in der das rituelle Gebet vorgeschrieben und den Muslimen verschiedene Verheißungen gegeben wurde, zelebriert.

In der Beraat-Nacht soll der Prophet laut Überlieferungen die Menschen aufgefordert haben, sehr viel zu beten und am darauffolgenden Tag zu fasten. Dem Gefährten und Exegeten Ikrima zufolge berichtet der 3. Vers der Sure al-Dukhan (44/3) von dieser Nacht. Al-Fakihi, der im 3. Jahrhundert H gelebt hat, berichtet über die Feierlichkeiten in Mekka in der Beraat-Nacht.

 

Die wichtigste der gefeierten muslimischen heiligen Nächte ist die Nacht der Bestimmung (Kadir). In der gleichnamigen Sure heißt es, dass die Offenbarung des Koran in dieser Nacht begann und dass diese Nacht gesegneter sei als 1000 Monate.

Von den genannten Kandil-Abenden ist die Authentizität der Regaib- und Beraat-Nächte nicht sicher, sodass auch über die Gottesdienste, die in diesen Nächten empfohlen werden, in den Quellen keine authentischen Überlieferungen zu finden sind. Die Geburt des Propheten ist sicherlich ein wichtiges Ereignis. Miradsch (Himmelsreise des Propheten) ist hingegen durch den Koran und historische Daten gesichert. Aber in den Quellen lassen sich keinerlei Feierlichkeiten zur Lebzeit des Propheten oder der Gefährten feststellen. Die wichtigste Nacht in diesen 5 Nächten ist Kadir (die Nacht der Bestimmung).

Es ist durchaus verständlich und natürlich, dass Muslime neben dem Freitagsgebet und den beiden Festtagsgebeten (Bayram) auch an anderen Tagen und Nächten religiöser und historischer Ereignisse gedenken, ihre religiösen Gefühle auffrischen und manche Feierlichkeiten gestalten. Nicht akzeptabel ist hingegen die Ausführung von bestimmten Gottesdiensten, die auf nichtauthentische Quellen beruhen. Religiöses Leben erfordert Kontinuität. Es reicht nicht aus, nur an bestimmten Tagen und Nächten gewisse Rituale zu wiederholen, und zu denken, man habe seine religiösen Pflichten erfüllt. Dennoch ist einer der Vorteile des Feierns dieser Feste der, dadurch den jüngeren Generationen eine religiöse Identität zu vermitteln.