Mohammed (sav)
Soziales Leben
 

Das Verhalten und die Einstellung des Propheten gegenüber Nichtmuslimen

Die religiöse Tradition im Hidschaz

ImageDie arabische Halbinsel war schon immer mit angrenzenden unterschiedlichen kulturellen Elementen und religiösen Traditionen in Kontakt gewesen. Der sogenannte „goldene Halbmond", der sich von Jordanien und Palästina bis nach Mesopotamien erstreckt, beherbergte die verschiedensten Traditionen; sowohl heidnische (totemistische), als auch monotheistische Bewegungen waren hier vorhanden. Das assyrisch-babylonische Heidentum, das auf der Anbetung von Sternen und Planeten beruhte, die polytheistische Kultur der Griechen, die Religionen der Anhänger Zarathustras, der Juden, Christen und Manichäer waren auf diesem Gebiet vorzufinden.

Und auch viele esoterische Bewegungen, die auf einem Geheimbund beruhten, waren hier vertreten. Dieses Gebiet ging in die Geschichte ein als der Ort, an welchem Dutzende von Propheten zur absoluten Einheit Allahs aufriefen. Propheten wie Abraham (Ibrahim), Zacharias (Zakariyya) und Jesus (Isa) (sa) riefen die Menschen auf, Allah als den einzigen und allmächtigen Gott anzunehmen, Ihm nichts beizugesellen und sich allein Ihm zu unterwerfen; und sie kämpften gegen die Blasphemie, die Götzenanbetung, die Unterdrückung, die Unzucht und die Zwietracht. Und ähnlich war es in an den Hidschaz angrenzenden Ländern, in Ägypten, Äthiopien, Jemen und im Osten des Hidschaz, den Küsten des Indischen Ozeans, gewesen. Während der gesamten Menschheitsgeschichte waren diese Gebiete das Zentrum wichtiger kultureller und religiöser Erscheinungen.

Der Hidschaz stand genau inmitten dieser Vielfalt und stets unter dem Einfluss dieser unterschiedlichen politischen und religiösen Traditionen. Byzanz im Norden und die Sasaniden im Nordosten können als wichtige Repräsentanten des Christentums und des Zoroastrismus angesehen werden. Dazu muss man auch die weit zerstreuten kommunalen Gemeinschaften der Juden miteinbeziehen. Und auch die religiöse und kulturelle Tradition des Königreichs der Nabatäer im Norden hatte bekannterweise einen großen Einfluss auf die Araber im Hidschazgebiet.

Zu Lebzeiten des Propheten Mohammed (sav) bestand das Volk im Hidschazgebiet aus polytheistischen Arabern. Die Juden und Christen nannten sie „ummi", was soviel wie „ohne Buch" bedeutet. Die ungläubigen Araber hingegen nannten die Juden und Christen Anhänger des Buches (Ahl al-Kitap)". Diese Benennungen entsprangen höchst wahrscheinlich den Behauptungen der Juden, welche, um sich von den polytheistischen Arabern zu distanzieren, den Besitz einer schriftlichen Offenbarungstradition für sich in Anspruch nahmen. Die Juden lebten meist in den Gebieten Yathrib und Khaybar. In wichtigen Gebieten wie Mekka lebten zwar auch einige Christen, die meisten jedoch waren im Norden und im Süden der Hidschaz angesiedelt. Neben diesen gab es auch eine Glaubensgemeinschaft, die sich als Hanif bezeichnete. Bei dieser Gemeinschaft fiel auf, dass sie sich vom Polytheismus der Araber distanzierten. Es ist bekannt, dass Mohammed (sav) vor seiner Prophetie zeitweise mit diesen Arabern verkehrte, man kann jedoch nicht genau sagen, wie eng diese Beziehung gewesen ist. Weshalb die Araber gegenüber dieser Gemeinschaft, die sich in ihrem Glauben doch stark von ihrem eigenen unterschied, kein Groll hegte, wie es bei Mohammed (sav) der Fall gewesen ist, bleibt ungewiss. Der wichtigste Grund wäre womöglich, dass diese Gruppe die vorherrschende soziale und politische Struktur nicht gefährdete.

 

Die Grundsätze des Propheten bei seinem Umgang mit den Ungläubigen

a) Moral

Das Verhalten Mohammeds (sav) gegenüber den Ungläubigen in Mekka und Medina zeichnete sich darin aus, dass er nie von seiner hohen Moral abließ. Im Koran heißt es, dass er „die schönste Moral" besitzt; und er führte diese den Menschen auch in schönster Weise vor. Der Ruf „Mohammed der Vertrauenswürdige" (Mohammed al-Amin) war für seine Person von grundlegender Bedeutung gewesen, aus der Sicht der Gläubigen sowie der Ungläubigen. Die strengen Gegner des Propheten verachteten ihn, weil er ihre traditionellen Lehren zurückwies, ihre Religion und ihr Gesellschaftsverständnis verwarf; und sie beschuldigten ihn, dass er die Religion ihrer Ahnen verändern wolle; es war ihnen jedoch nie möglich gewesen, ihn der Lüge zu bezichtigen oder seine Worte und Taten in Zweifel zu stellen. Schließlich beschloss er, alle Mekkaner zum Islam einzuladen. Dazu begab er sich auf den Safa-Hügel und sprach zu den Menschen, die sich dort versammelt hatten: „Seht, ihr Quraisch, wenn ich euch sagen würde, dass sich hinter diesem Hügel ein befeindetes Heer befindet, würdet ihr mir dann glauben?" „Ja, wir haben dich noch nie lügen gehört." antwortete die Menge und er fuhr fort: „So verkünde ich euch, dass eine große Pein auf euch wartet. Allah hat mir befohlen, meine engsten Verwandten zu warnen. Solange ihr nicht sagt, dass es keinen Gott außer Allah gibt, solange kann ich euch weder im Diesseits noch im Jenseits dienen." (Belazuri, I. 120.) Bezeichnend für seine Person war neben seiner Vertrauenswürdigkeit die Tatsache, dass er stets das Recht verteidigte, den Armen und Schwachen half, die Verwandtschaftsbeziehungen pflegte und das Recht der Eltern gegenüber ihren Kindern betonte; all diese Eigenschaften verliehen ihm in der Gesellschaft, in der er lebte, einen besonderen Stellenwert. Der Prophet ermahnte auch stets die anderen Muslime, seinem Verhalten gegenüber den Ungläubigen Folge zu leisten. Als er Muadh (ra) als Gouverneur nach Jemen sandte, wo die Mehrheit der Einwohner aus Juden und Christen bestand, warnte er ihn mit den Worten: „Fürchte dich vor der Verwünschung des Unterdrückten, denn es gibt keinen Vorhang zwischen seiner Verwünschung und Allah." (Bukhari, Zakat 41, 63, Maghazi 60)

b) Geduld

Bei seiner Verkündung des Islam bewies Mohammed (sav) eine unendliche Geduld. Er sprach zu den Menschen, versuchte sie zu überzeugen und wiederholte ständig die Einheitslehre des Islam. Er war in seiner Beziehung zu den Menschen stets aufrichtig und innig und hielt sich fern von Polemik und Streitigkeiten. Auch im Koran wird unterstrichen, dass er sich gegenüber den Menschen stets gutmütig verhielt, wohlwollend zu ihnen sprach und strenges oder gar aggressives Verhalten stets vermied. Selbst wenn sich unter den Zuhörern Menschen befanden, die sich ihm gegenüber schroff benahmen, zügelte er seine Wut und betete zu Allah, diese recht zu leiten. Als er beispielsweise nach dem steigenden Druck in Mekka gemeinsam mit Zaid b. Harise nach Taif ging, um dort den Islam zu verkünden, verhielten sich die Stammesoberhäupter ihm gegenüber sehr grob, sie provozierten sogar das das gemeine Volk, den Propheten zu steinigen und vertrieben ihn so aus der Stadt. Nach diesem traurigen Ereignis betete Mohammed (sav) zu Allah, die Menschen aus Taif auf den rechten Weg zu leiten. Auch wenn man sich seiner frohen Botschaft, seiner gnädigen und liebevollen Einstellung anfangs widersetzte, konnte man sich dem Zuhören, Nachdenken und letztendlich dem Befürworten seiner Botschaften nicht entziehen.

c) Konstruktiv sein

Der Prophet hat bei seiner Verkündung des Islam nie Zwang angewandt. Unter Beachtung des Grundsatzes „Es gibt keinen Zwang im Glauben" (al-Baqara, 2/ 256) wurden die Menschen nie gezwungen, die Verkündung anzunehmen und es wurde in diesem Sinne nie Gewalt angewendet. Er hatte denen, die den Zwang als gerecht ansahen, nie Achtung geschenkt; er hat sich diesen gegenüber stets distanziert.

Ob gläubig oder nicht, der Prophet war in seiner Beziehung zu den Mitmenschen stets konstruktiv gewesen. Insbesondere mit den Juden und den Polytheisten in Medina pflegte er stets positive Beziehungen zu führen, solange sie sich an die Abkommen hielten und keine Feindschaften pflegten. Er sah auch kein Problem darin, sich einige ihrer guten Eigenschaften anzueignen. Das Abkommen zu Medina wurde beispielsweise zu Beginn dafür abgeschlossen, damit die unterschiedlichen Gruppen in Medina und die Muslime gemeinsam und in Frieden miteinander leben konnten. Unterschiedliche Gruppen übernahmen gemeinsam Verantwortung und gründeten so eine Gesellschaft, die bestehen konnte, solange man sich an das Abkommen hielt. Man konnte sich selbst an polytheistischen arabischen Kriegsgefangenen bereichern. Die Kriegsgefangenen aus der Schlacht zu Badr, die des Lesens und Schreibens kundig waren, konnten beispielsweise die Muslime diesbezüglich unterrichten und wurden nach dem Unterrichten einer bestimmten Anzahl Schüler freigelassen.  

d) Achtung von Grundrechten und Freiheiten

Für Mohammed (sav) war die menschliche Qualität seiner Mitmenschen viel wichtiger als der Glaube, die Gedanken und die Lebensweise der Menschen. Mit anderen Worten gesagt, war für ihn die Tatsache, dass sie Lebewesen sind wie alle anderen auch, das Wichtigste. In diesem Sinne machte er keinen Unterschied zwischen Muslimen und Nichtmuslimen. Einmal saß er gemeinsam mit einigen Muslimen zusammen und erhob sich, als jemand zu Grabe getragen wurde. Als man ihm sagte: „Siehe Prophet, dies war kein Muslim" antwortete er „besaß er denn nicht auch ein Leben?", womit er eben auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den Menschen deuten wollte.

Er garantierte den Nichtmuslimen, die gemeinsam mit den Muslimen lebten, Schutz für ihr Leben, ihren Besitz, ihre Würde und ihre religiöse Freiheit und legte besonders großen Wert auf diese Sicherheit. Dies waren Grundsätze einer religiösen Sicherheit, die im Islam besonders berücksichtigt werden. Der Schutz des Lebens als Sicherung des Rechtes auf Leben, der Schutz der Religion als Sicherung des Glaubensrechts, der Schutz der Vernunft als Sicherung der Gedankenfreiheit, der Schutz des Besitzes als Sicherung des Kapitalrechts, der Schutz der Nachkommenschaft als Sicherung des Familienrechts; all dies sind im Islam grundsätzliche und heilige Bereiche im Leben eines Menschen. Diese Rechte gelten nicht nur für Muslime, sondern für alle Menschen. Und der Gesandte Allahs achtete stets darauf, dass den Menschen in seiner Gesellschaft, ob Muslime oder nicht, diese Grundrechte gegeben wurden. Im Abkommen der Muslime heißt es im Zusammenhang mit Nichtmuslimen „Wer einen dhimmi (Schutzbefohlene: Nichtmuslime, die unter Muslime leben) peinigt, der peinigt dem Gesandten Allahs. Wer dem Gesandten Allahs peinigt, der peinigt Allah." womit verdeutlicht wird, wie man sich Andersgläubigen gegenüber zu verhalten hat.

e) Der Aufruf zu Gerechtigkeit und Wahrheit

 Die wichtigste Aufgabe Mohammeds (sav) war es gewesen, den Menschen das Buch Allahs (den Koran) zu verkünden, sie zu warnen und zu Gerechtigkeit und Wahrheit aufzurufen. In diesem Sinne mahnte und warnte er alle Menschen. Es gab auch Menschen, die mit ihm darüber stritten, ihn gar bekämpften. Aber er bewies stets Geduld und Beständigkeit. Einige Nichtmuslime, wie zum Beispiel die Christen aus Nadschran, kamen gar, um mit ihm zu streiten oder um ihn auf die Probe zu stellen. Er diskutierte mit ihnen tagelang und erklärte ihnen den Islam. Er erwiderte ihre gewalttätigen Äußerungen und Herausforderungen nie mit Gegengewalt; er verteidigte sich mit dem Bewusstsein und dem Vertrauen auf Recht und Wahrheit. Auf die Herausforderung der Nadschran-Christen hatte der Prophet sie, was auch im Koran (Âl-i Imran, 2/61) erwähnt wird, zur Mubahala (dem gegenseitigen Flehen und Beten zu Allah, damit mit Allahs Fluch die Lügner bestraft werden) eingeladen, was aber nicht zustande kam, weil die Nadschran-Christen darauf verzichteten.  Trotz alledem hatte er den Nichtmuslimen, die als Gäste kamen und nach einem Platz zum Beten fragten, den heiligsten Raum der Muslime, die Prophetenmoschee, angeboten.

Er hatte sich niemandem, der mit ihm reden und diskutieren wollte, abgewandt; diese Einstellung überzeugte viele Menschen, Muslime zu werden. Es heißt, dass ein Jude einst seinem Freund sagte „komm lass uns zu diesem Propheten gehen" und die beiden fragten den Gottesgesandten nach neun konkreten gemeinsamen Hinweisen/ Themen zwischen Juden und Muslimen. Mohammed (sav) beantwortete ihre Fragen und sie wurden Muslime (Tirmidhi, Isti'zan 33).

f) Das gerechte Urteil

Mohammed (sav) war stets ein unparteiischer Schiedsrichter, ein gerecht und mäßig urteilender Führer gewesen. Seine Schiedssprüche wurden nicht nur von den Muslimen sondern auch von Nichtmuslimen gewürdigt. Aus diesem Grund kam es des Öfteren vor, dass Nichtmuslime bei ihren Streitigkeiten untereinander oder mit Muslimen zu ihm kamen und ihn zum Schiedsherrn ernannten. Bei Streitigkeiten unter den Juden urteilte er gar nach ihrem eigenen Rechtsprinzip. Dieser gerechte und vertrauenswürdige Charakter des Propheten war auch vor seiner Zeit der Prophetie unter den Menschen allgemein bekannt gewesen. Als die Quraisch zur Zeit seiner Jugend um die Anbringung des Hadschar al-Aswad (der schwarze Stein an der Kaaba) in der Kaaba stritten und dieser Streit auszuarten drohte, war es sein Urteil gewesen, durch welches das Problem gelöst wurde.

Der Prophet führte in seinem täglichen Leben sozioökonomische Beziehungen mit den Nichtmuslimen und es kam auch zu wechselseitigen Schuldenverhältnissen. Beachtenswert ist, dass er einmal einem Nichtmuslim als Pfand seine Rüstung gab. Aischa (ra) berichtet, dass beim Tode des Gottesgesandten seine Rüstung gegen 30 Maß Gersten bei einem Juden als Pfand hinterlegt war (Bukhari, Dschihad 89, Maghazi 86; Müslim, Musakat 124-126). Im Rahmen seiner freundschaftlichen Bemühungen mit Nichtmuslimen achtete er auch darauf, Einladungen zu erwidern und den Nichtmuslimen Achtung zu schenken. Er entging gar einst dem Attentat eines Juden, der ihn zum Essen eingeladen hatte. 

g) Die Berücksichtigung kultureller Unterschiede

Mohammed (sav) hatte, neben dem Miteinanderleben unter Berücksichtigung der Grundrechte eines jeden, besonderen Wert darauf gelegt, die kulturellen und traditionellen Unterschiede zu den Nichtmuslimen stets aufrecht zu erhalten. Es hatte bemerkt, dass die Muslime in ihrem Aussehen die Nichtmuslime nachahmten. Diesbezüglich hatte er die Muslime des Öfteren ermahnt. Er sagte beispielsweise: „Die Juden und Christen färben nie ihr Haar. Ahmt sie darin nicht nach." (Bukhari, Anbiya 50, Libas 67). Und auch die Vorschläge zum Gebetsruf wie zum Beispiel das Blasen des Horns der Juden oder das Glockengeläut der Christen hatten ihm nicht gefallen, da diese Praktiken diese Religionen imitieren würden.

In seinem Verhältnis zu Nichtmuslimen pflegte er jedoch die Unterschiede zu beachten. Es ist beispielsweise bemerkenswert, wie er über den christlichen Führer Äthiopiens spricht, zu dem die ersten Muslime aus Mekka aufgrund der Quälereien der Polytheisten  ausgewandert waren: „... Dies ist wahrhaftig ein Heim der Gerechtigkeit. Verweilt dort, bis Allah euch aus eurem momentanen Zustand rettet." Es ist andererseits auch bekannt, dass sowohl die Polytheisten  als auch die Anhänger des Buches (Ahl al-Kitap) sich dem Propheten und den Muslimen gegenüber gewalttätig verhielten, Hass und Feindschaft hegten oder Neid empfanden.

Der Koran erläutert das Verhalten der Nichtmuslime und insbesondere der Juden und Christen gegenüber Muslimen auf sehr prägnante Art und Weise. Was das Verhalten des Propheten und der Muslime ihnen gegenüber betrifft, so heißt es in den Versen zu Mekka (z. B. al-Ankabut, 29/46-47), dass sie sich den Anhängern des Buches gegenüber höflich benehmen und in Dialogen Gemeinsamkeiten finden sollten.1 Es wird hervorgehoben, dass es neben den polytheistischen Arabern auch Anhänger des Buches gab, die an das Buch (die Offenbarung), das dem Propheten gesandt wurde, glaubten. In einigen Äußerungen (al-Nahl 16/43; al-Anbiya‘, 21/7) jener Zeit wird hinsichtlich der Beseitigung der Zweifel früherer Offenbarungen über bestimmte Personen (Männer) auf die Besitzer des Buches (Ahl Dhikr: Volk der Ermahnung) verwiesen. Im Lichte dieser Äußerungen zu Mekka ist die Erwartung zu erkennen, dass die Anhänger des Buches, die eine gewisse Offenbarungstradition besaßen, die Botschaft Mohammeds (sav) annehmen würden.

Diese Erwartungen während der Zeit in Mekka hielten auch nach der Auswanderung nach Medina für eine Weile an. Schließlich wurden im Abkommen zu Medina - die erste Handlung des Propheten nach der Einwanderung in Medina, die das Zusammenleben der verschiedenen  Gruppen garantierte - auch die Juden und ihre Verbündeten mit eingeschlossen. 2 In Artikel 16 dieses Abkommens heißt es, dass die Juden „nicht unterdrückt und ihre Feinde nicht unterstützt werden" und sie ihr Leben in Sicherheit fortführen können. In den Artikeln 18, 24, 37 und 45 werden die Verpflichtungen zur gemeinsamen Verteidigung und Kostenbestimmung aufgeführt; in Artikel 23, 36 und 42 wird hervorgehoben, dass bei sämtlichen Streitigkeiten Mohammed (sav) die einzig gültige Instanz ist. Dieses Abkommen hielt jedoch nicht lange und die Judenstämme begannen, einer nach dem anderen, gegen das Abkommen zu verstoßen. 3

Die Gegner der Muslime in Mekka waren die polytheistischen Araber, die nun von den Juden aus Medina unterstützt wurden. Zusätzlich zu der Tatsache, dass die Juden die Botschaft des Propheten nicht annahmen, verbündeten sie sich nun mit den polytheistischen Arabern und begannen, Pläne gegen die Muslime zu schmieden.

Der Koran berichtet, dass die Besitzer des Buches (Christen und Juden) wegen Ausschreitungen und aus Neid aufeinander über die Wahrheit zerstritten waren. Und so werde Allah die Gläubigen zu der Wahrheit führen, über die sie uneins gewesen waren. (Al-Baqara 2/213; Âl-i Imran, 3/19).

Im Koran heißt es, dass Mohammed (sav) zu ihnen kam, um das, was sie verheimlichten oder zurückhielten (die Wahrheit/ haqq) offenzulegen und um ihnen ein göttliches Licht und ein offenes Buch zu bringen; und sie wurden zum Buche Allahs aufgerufen, damit es über sie herrsche (Âl-i Imran 23, al-Maida 15, 18). Die Anhänger des Buches wurden aufgefordert, eine gemeinsame Doktrin (Tauhid„die alleinige Anbetung Allahs, ihm nichts beizugesellen und außer Ihm keine Götter anzubeten" anzunehmen (Âl-i Imran 64). Die Anhänger des Buches folgten diesem Aufruf jedoch nicht; richteten sich hauptsächlich aus Neid und Missgunst gegen den Islam und versuchten, Zwietracht unter den Muslimen zu säen (al-Baqara 105, 109, al-Maida 59). Der Koran teilt mit, dass sie sich der Tatsache bewusst waren, dass der Koran von Allah gesandt wurde (al-An'am 114) und sie ihn so gut kennen würden wie ihre eigenen Söhne (al-An'am 20), sie aber dennoch die Wahrheit verheimlichten (al-Baqara 146). Dazu kommt noch, dass die Anhänger des Buches (Juden und Christen) von sich behaupteten, die „Söhne und Geliebten Allahs" zu sein (al-Maida 18) und dass folglich nur sie in den Himmel kämen (al-Baqara 111) und man demzufolge für die Rechtleitung entweder Jude oder Christ sein müsse (al-Baqara 135). Beide Gruppen, also die Juden und die Christen, führten zudem untereinander ewige Streitigkeiten darüber, die richtige Religion allein zu besitzen und die jeweilig anders Gläubigen hätten nichts, vorauf sie ihre Behauptungen stützen könnten (al-Baqara 113). Zudem behaupteten beide Seiten von Abraham (sa) abzustammen und stritten auch darüber (Âl-i Imran 65-66). Der Koran weist darauf hin, dass sie keinerlei Grundlagen für diese Behauptungen besitzen, solange sie nicht die Botschaften der Tora, der Bibel und des Koran befolgen (al-Maida 68).

Einige der Nichtmuslime entwickelten gegenüber Mohammed (sav) und den Muslimen bei jeder Gelegenheit neue Argumente und scheuten sich nicht einmal davor, sie mit Hilfe von Wortspielen zu beleidigen und zu verspotten. Wenn sie Muslime trafen, so nuschelten sie anstelle von selamun aleykum (Friede sei über euch) samun aleykum (Pein sei über euch). Daraufhin empfahl Mohammed (sav) den Muslimen, dieses mit „wa aleykum" (so über euch) zu erwidern (siehe Bukhari, Salam 7, Isti'zan 22, Murtaddin 4).

Es kam manchmal natürlich auch zu Streitigkeiten zwischen Muslimen und Nichtmuslimen. Aber selbst wenn diese Streitigkeiten zu Kämpfen oder Kriegen ausarteten, wurde stets auf den Schutz der Unschuldigen; also denjenigen, welche nicht an den Kampfhandlungen teilnahmen wie Ältere, Frauen, Kinder oder diejenigen, die sich zuhause und in ihren Gebetsstätten aufhielten, geachtet.


 

Dieser Text wurde für derletzteprophet.info verfasst
 

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