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Ansar (Helfer-Die Muslime aus Medina)

Ansar bedeutet im arabischen „diejenigen, die sehr viel helfen". Eine Person mit dieser Eigenschaft wird als Ansari bezeichnet. Als Begriff beschreibt das Wort die Muslime Medinas, welche den Propheten und die Auswanderer aus Mekka, die Muhadschir, mit offenen Armen empfingen und ihnen mit allem, was sie besaßen, hilfreich zur Seite standen.

Die Ansar sind zwei Bruderstämme mit den Namen Al-Aws und Al-Khazradsch. Es wird in verschiedenen Quellen darauf hingewiesen, dass diese zwei Stämme sich in der vorislamischen Zeit häufig gegenseitig bekämpft hatten. Eine sechsköpfige Abordnung des Al-Khazradschstammes ging im elften Jahr der Offenbarung nach Mekka, um sich mit den Quraisch gegen die Al-Aws zu vereinen. Hier trafen sie auf den Propheten, der sie zum Islam einlud; und sie bekehrten sich.  

Die Al-Khazradsch kehrten zurück nach Medina und berichteten dem Al-Aws-Stamm vom Islam. Daraufhin schloss sich der Al-Aws-Stamm ihnen an, und gemeinsam schickten sie im zwölften und dreizehnten Jahr der Prophetie Abgesandte nach Mekka, welche sich mit dem Propheten trafen, und ihm später im Orte Aqaba den Bay'a (Treueschwur) leisteten. Am I. Bay'a zu Aqaba nahmen zehn Personen aus dem al-Khazradsch und zwei aus dem al-Aws-Stamm teil; am II. Bay'a zu Aqaba beteiligten sich aus beiden Stämmen insgesamt 75 Personen. Die Muslime aus Medina schwuren im II. Bay'a zu Aqaba, dass sie den Propheten und die Muslime aus Mekka, ihr Leben, ihre Kinder und ihr Hab und Gut genauso schützen würden wie ihr eigenes. Mit dieser Handlung bewirkten sie die Gründung des islamischen Staates in Medina und damit begann eine neue Ära in der Geschichte des Islam.

Im Anschluss an diesen Bay'a begann die Hidschra nach Yathrib (Medina), dem Ort „an dem ihr Schutz und Frieden finden werdet"; so die Worte des Propheten. Gleich nach der Hidschra verwirklichte der Prophet die Bruderschaftszeremonie (Muahat), in welcher jeder Emigrant einen Ansar als Bruder gewann. Die Hilfsbereitschaft der Ansar gegenüber den Emigranten wurde mit dieser symbolischen Bruderschaft unterstützt, einer Demütigung der Hilfeempfänger wurde zuvorgekommen und, deren Anpassung an die neue Gesellschaft erleichtert.

Die Muslime aus Medina nahmen die Muslime aus Mekka, die ihr gesamtes Hab und Gut zurückgelassen hatten, wie ihre eigenen Brüder auf und waren bereit, alles mit ihnen zu teilen. Sie nahmen sie zuhause auf und teilten ihr Täglichbrot und wollten gar ihre Dattelplantage zur Hälfte ihren Emigrantenbrüdern schenken. Der Prophet hielt es jedoch für angebracht, den Besitz in der Hand der Ansar zu lassen und den Einwanderern lediglich einen Anteil zu geben. Auch die Einwanderer wollten im Grunde nichts ohne Gegenleistung erhalten und beschränkte sich auf einen Anteil des Erlöses aus dem Dattelverkauf und betätigten sich im Markthandel. Nach dem Kampf zu Badr und bis zu der Offenbarung des 75. Verses der Sure al-Anfal konnten sich die verbrüderten Muhadschirun und Ansar gegenseitig als Erben einsetzen.

Diese zuvor nie da gewesene Bruderschaft im Islam kommt im Koran folgendermaßen zum Ausdruck: „Siehe, diejenigen, welche glauben und ausgewandert sind und mit Gut und Blut Allahs Weg stritten und (dem Propheten) Herberge und Hilfe gewährten, die sollen sein einer des andern Verwandter." (al-Anfal, 8/72)

Es werden uns eine Reihe von Ereignissen geschildert, die davon berichten, wie nahe die Ansar dem Propheten und den Einwanderern standen und wie sehr sie diese liebten. Ihr begeistertes Warten auf den Propheten und die Einwanderer und ihre Gastfreundschaft nach der Hidschra ist bewundernswert. Die Selbstlosigkeit der Ansar wird im Koran folgendermaßen geschildert: „Und diejenigen, die vor ihnen in der Wohnung und dem Glauben hausten, lieben die, welche zu ihnen auswanderten, und fühlen in ihrer Brust kein Bedürfnis nach dem, was ihnen gegeben ward, und ziehen sie sich selber vor, auch wenn sie selber bedürftig wären." (al-Haschr, 59/9)

Die Ansar sind ihrem Bay'a (Treueschwur) zu Aqaba stets treu geblieben. Die Einwohner Medinas sammelten sich um den Propheten, um gegen Hetzer, Zwietracht säende einheimische Juden und bedrohliche Unruhestifter außerhalb von Medina, eine Einheit zu bilden.

Als der Prophet vor der Schlacht in Badr eine Lagebesprechung durchführte, brachte Sa'd b. Muaz (ra) die Gefühle der Ansar mit folgenden Worten zum Ausdruck „Oh Gesandter, ich schwöre bei Allah, wenn du uns dieses Meer zeigst und hineinstürzt, so stürzen wir uns hinein ohne Zweifel und nicht einer von uns zieht sich zurück".

Auch im Kampf zu Uhud, in dem die Muslime bei einem Tumult von hinten angegriffen wurden, waren die meisten, welche den Propheten zu beschützen versuchten, Ansar.

Diese Einstellung und dieses Verhalten der Ansar räumten ihnen den tiefsten Respekt des Propheten ein und dieser erklärte seine Gefühle mit den Worten „Ihr seid mir die Meistgeliebten unter den Menschen". Der Prophet brachte die Selbstlosigkeit dieser erlesenen Gemeinschaft bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck und mit seiner Rede nach der Eroberung von Mekka beruhigte er die Ansar, welche befürchteten, er würde in Mekka bleiben, und versprach ihnen eine gemeinsame Rückkehr nach Medina.

Die Ansar blieben ihrem Wort auch nach dem Tode des Propheten treu und gaben sich völlig dem Dienste am Islam hin. Sie haben nach dem Tod des Propheten nicht nach der Staatsführung verlangt und akzeptierten aus tiefem Herzen das Kalifat von Abu Bakr. Auch bei den Ereignissen der darauffolgenden Jahre haben sie sich nie den Aufständen angeschlossen; sie bevorzugten es, sich der Politik fernzuhalten, beschäftigten sich mit Handel, den religiösen Lehren und nahmen lediglich an einigen wenigen Eroberungszügen teil.

Diese vorbildliche Haltung der Ansar, zu denen auch berühmte Sahaba wie Abû Ayyûb al-Ansârî (ra), Anas b. Mâlik (ra), Ka‘b b. Malik (ra), Sa‘d b. Muaz (ra), As‘ad b. Zurâra (ra) gehörten, wurde wie vom Propheten selbst, so auch von allen anderen Muslimen stets gewürdigt. Ihr Verhalten wurde als ideale Praktizierung der islamischen Bruderschaft angesehen und stets als Modell aufgefasst.


Bibliografie

ÖNKAL, Ahmet. "Ansar", Şâmil İslâm Ansiklopedisi, c. II, Şâmil Verlag, Istanbul 1999

ALGÜL, Hüseyin. "Ansar", Türkiye Diyânet Vakfı İslâm Ansiklopedisi, c.XI, Istanbul 1995

ALGÜL, Hüseyin. "Ansar", İslâm'da İnanç İbâdet ve Günlük Yaşayış Ansiklopedisi, c. II, Marmara Üniversitesi İlâhiyat Fakültesi Vakfı Verlag, Istanbul 1997

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