Leben (Sira)
Sira (Biografie des Propheten)
 

43 - Die Abschiedspilgerreise und Die Abschiedspredigt

Man weiß, dass der Prophet sich im Monat Ramadan jede Nacht mit dem Erzengel Gabriel traf und die bis dahin offenbarten Ayat las. Doch im Ramadan des 10. Jahres der Hidschra (Dezember 631) ließ Gabriel ihn den Koran zweimal laut vorlesen. Der Prophet sah dies als ein Zeichen dafür, dass sich sein Tod näherte, und teilte dies seiner Tochter Fatima mit. Außerdem blieb der Prophet, der sich jedes Jahr im Ramadan zehn Tage zurückzog, im letzten Ramadan seines Lebens zwanzig Tage lang in der Zurückgezogenheit.

Im selben Jahr (10/632) fing er an, sich auf die Hadsch vorzubereiten und bat alle Muslime, dasselbe zu tun. Am 26. Dhu al-Qa'da 10 (23. Februar 632) begab er sich zusammen mit seinen Frauen, seiner Tochter und den aus den Muhadschir, den Ansar und den nach Medina gekommenen Stämmen bestehenden Muslimen auf den Weg. In Dhul Hulayfa trat er in den Ihram-Zustand ein. Zusammen mit denen, die sich unterwegs zu ihm gesellten, kam er am 4. Dhu al-Hidschdscha, auf seinem Kamel namens Kaswa (Kuswa) in Mekka an. Nachdem er die Umra durchgeführt hatte, blieb er in dem für ihn in Abtah errichteten Zelt. Am 8. Dhu al-Hidschdscha verließ er Mekka und ging nach Mina und übernachtete dort; am Donnerstag den 9. Dhu al-Hidschdscha, nach Sonnenaufgang, machte er sich durch das Tal Musdalifa auf den Weg nach Arafat und zog später in das Zelt, das auf seinen Befehl in Namira errichtet worden war. Am Nachmittag sprach er zu seinen ungefähr 120.000 Gefährten die Rede, die als "Die Abschiedspredigt (al-Khutba al-Wada)" bekannt ist.

 

In seiner Predigt, nach der Lobpreisung von Allah, erinnerte der Prophet seine Zuhörer daran, dass alle Menschen Diener Allahs und von denselben Eltern stammen; dass, ohne Rücksicht auf Rasse, Hautfarbe, Sprache und Gesellschaftsschicht, alle Menschen gleichberechtigt wären, und dass das einzige Maß der Überlegenheit, Taqwa (Gottesfurcht, Frömmigkeit) sei. Der Prophet, der überwiegend von Menschenrechten sprach, unterstrich die Wichtigkeit des Schutzes des Lebens, der Waren und der Sitten; forderte, dass man die Rechte der anderen respektierte, auf Grausamkeit und unrechtmäßig erworbenes Essen verzichte, das Anvertraute zu ehren wüsste und auf die gegenseitigen Rechte, Aufgaben und Verantwortlichkeiten zwischen Ehepartnern achtete. Er deutete an, dass alle Muslime Brüder wären, machte alle auf die Bedeutung von Einheit und Solidarität aufmerksam. Er sagte, dass der Koran und die Sunna (Gesamtheit der Prophetentradition bzw. der Hadith) unverzichtbare Quellen des rechten Weges seien; verlangte, dass man religiöse Praktiken wie das Gebet, das Fasten, den Zakat und die Hadsch ausübte und sorgfältig im Beachten der Vorschriften der Ethik sei. Er erwähnte auch manche Konzepte und Bräuche der Zeit der Dschahiliya; er stellte klar, dass Zinsen und Blutfehden verboten seien, dass außer der Verpflegung der Pilger mit Wasser (Siqaya), das Pflegen des Vorhanges und das Aufbewahren der Schlüssel der Kaaba (Sidana), alle Praktiken und Ämter der Zeit der Dschahiliya, die mit der Verwaltung Mekkas und der Kaaba zusammenhingen, vor allem Nasi (das Verschieben der Monate), abgeschafft seien. Indem er hin und wieder fragte: "Habe ich es verkündet?", ließ der Prophet seine Worte bestätigen; er endete seine Predigt mit den Worten "Sei Zeuge o Rab (Allah)! Sei Zeuge o Rab (Allah)!" Im Vers, der offenbart wurde, bevor er Arafat verließ, wird verkündet, dass die Religion zur Reife gelangt sei und dass die von Allah gebilligte Religion der Islam ist: "Heute habe ich euch vollendet euren Glauben und habe erfüllt an euch meine Gnade, und es ist mein Wille, daß der Islam euer Glaube ist" (al-Maida 5/3).

Zusammen mit Usama b. Zayd, der hinter ihm auf seinem Kamel saß, ritt der Prophet den Berg Arafat hinunter. Als er Musdalifa erreichte, führte er hier das Abend- und Nachtgebet durch. Nachdem er auch das Morgengebet durchgeführt hatte, erreichte er Dschamrat al-Aqaba und, jedes Mal einen Takbir (Allahu akbar [Gott ist groß]), aussprechend, warf er sieben Steine (Steinigung des Teufels). Danach ging er nach Mina, predigte zu seinen Gefährten und opferte ein Tier. Dann rasierte er sich, verließ den Zustand des Ihram, kam zur Kaaba und umwandelte diese. Er ging nach Mina zurück und vollendete die Dschamra (Steinigung des Teufels). Am nächsten Tag kehrte er nach Mekka zurück und vor Sonnenaufgang führte er die Abschiedsumkreisung durch. Am fünften Tag des Festes kehrten die Pilger, die von außerhalb Mekkas und Medinas kamen, mit der Erlaubnis des Propheten zurück in ihre jeweilige Heimat. Danach kehrte auch der Prophet, der die Hadsch durchgeführt und den Muslimen gelehrt hatte, wie diese zu vollziehen war, zusammen mit den Muhadschir und den Ansar zurück nach Medina.

Da der Prophet während dieser Hadsch an verschiedenen Orten mehrere Predigten gehalten hatte, wird die Predigt in Arafat, welche die Worte "Nach diesem Jahr werde ich euch hier vielleicht nie wieder treffen" enthielt, als "Abschiedspredigt" und diese letzte Pilgerreise als "Abschiedspilgerreise" bezeichnet, denn er verstarb kurz danach.

 

Lesen Sie den vollständigen Text der Abschiedspredigt (al-Khutba al-Wada)

 

Kommentare

 
Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie den ersten Kommentar. Anklicken.

Folgen Sie Derletzteprophet.info auf Facebook und Twitter