Leben (Sira)
Sira (Biografie des Propheten)
 

40 - Die Ankunft der Botschafter der arabischen Stämme in Medina

Das 9. Jahr der Hidschra (630-631) wird "das Jahr der Botschafter" genannt. Die Eroberung von Mekka, die darauffolgende Annahme des Islam durch den großen und mächtigen Stamm Hawazin; ein Jahr später der Treueschwur der in Taif lebenden Thaqif und die Ausbreitung der Macht des Islam bis nach Nordarabien, all dies führte dazu, dass die in den unterschiedlichsten Gebieten der Halbinsel lebenden arabischen Stämme Delegationen sandten, um ihre Ergebenheit zu bekunden. Dass die Quraisch nach der Eroberung Mekkas zu Muslimen wurden, hat innerhalb dieser Entwicklungen eine Sonderstellung. Nachdem die Quraisch, die von den arabischen Stämmen sehr verehrt wurden und vorher die wichtigsten Gegner der Muslime waren, den Islam annahmen, überprüften diese auch ihre eigene Macht und Stellung und fingen an, Allahs Religion beizutreten. In der Sure Nasr, wird darauf wie folgt angedeutet: "Wenn die Hilfe Allahs kommt und der Sieg, und du die Menschen in Scharen in die Religion Allahs eintreten siehst, dann lobpreise deinen Herrn und bitte Ihn um Vergebung. Er ist gewiss der, der die Reue gnädig annimmt." (an-Nasr 110/1-3). Die Delegationen, die als Vertreter ihrer Stämme nach Medina kamen und sich mit dem Propheten trafen, verkündeten, dass sie Muslime waren; schworen Treue, wünschten, die Religion von ihrem Verkünder zu erlernen. Manche wollten auch, dass ein Lehrer zu den Angehörigen ihres Stammes gesendet werde. Darunter befanden sich auch manche Botschafter, z. B. diejenigen der Thaqif und der Hanifa, die unannehmbare Voraussetzungen verlangten, die sie von manchen der fundamentalen Gottesdienste des Islams befreien würden und durch die sie nicht gezwungen wären, den Verboten der Religion zu gehorchen oder auch solche, die aus den Umständen Nutzen ziehen wollten. Es gab auch manche, wie z. B. die christlichen Stämme Nadschran und Taglib, die ohne dem Islam beizutreten, sich unter die Herrschaft des islamischen Staates begaben, indem sie Dschizya zahlten. Die Ankunft der Delegationen der Stämme in Medina gab dem Propheten eine gute Gelegenheit, den Islam zu erläutern. Die Mitglieder wurden in den Häusern von Gefährten wie Abdurrahman b. Aws, Ramla bint Harith, Abu Ayyub al-Ansari und Khalid b. Walid, manchmal auch bei den Ashab al-Suffa oder in den im Hof der Masdschid errichteten Zelten bewirtet. Der Prophet schätzte die Mitglieder der Delegationen, er las ihnen aus dem Koran vor, brachte ihnen die Grundlagen der Religion bei und erklärte die Regeln der Ethik. Die Delegationen wurden mit Geschenken zurückgeschickt. Als sie Medina verließen, wurden sie darüber aufgeklärt, worauf man im Islam achten sollte; und zusätzlich wurde manchen Personen Verpflichtungen als Statthalter, Zakat- oder Dschizya-Eintreiber oder als Lehrer des Islam zugeteilt. Diesbezüglich wurden auch Dokumente angefertigt. Diese Besuche der Botschafterdelegationen zeigen, dass Stämme aus den verschiedensten Ecken Arabiens zu Muslimen wurden und Medina als Hauptstadt der Halbinsel angesehen wurde. In seinem Werk berichtet Ibn Sa'd über alle einundsiebzig Delegationen, welche den Propheten aufsuchten und gibt Informationen über jede einzelne von ihnen (s. Ibn Sa'd, I, 291-359).

 

Kommentare

 
Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie den ersten Kommentar. Anklicken.

Folgen Sie Derletzteprophet.info auf Facebook und Twitter