Leben (Sira)
Sira (Biografie des Propheten)
 

11 - Hidschra (Auswanderung) nach Abessinien

Als der Islam sich in Mekka langsam ausbreitete, hatte sich das Benehmen der Muschriq gegenüber den Muslimen verhärtet und zu ihren verbalen Reaktionen hatten sich auch tatsächliche Übergriffe hinzugefügt. Mohammed (sav) war sehr traurig über die Grausamkeiten und die Folter, die seine Gefährten erdulden mussten, konnte aber nichts dagegen unternehmen. Also empfahl er ihnen, nach Abessinien auszuwandern, wo sie in Sicherheit leben und ihre Religion praktizieren könnten. Der König von Abessinien, Ashama an-Nedschaschi, war ein Herrscher, der seinem Volke gegenüber gerecht war. Im Wissen darum sagte Mohammed (sav) zu seinen Gefährten: "Falls ihr wollt, geht nach Abessinien. Dort herrscht ein König, in dessen Land niemand tyrannisiert wird. Es ist ein Land der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Bleibt dort bis Allah es für uns einfacher macht". Dieser Empfehlung nachkommend, machte sich eine aus zehn Männern und vier Frauen bestehende Gruppe Muslime im Jahre 615 vom Hafen von Schuayba aus auf dem Weg nach Abessinien. Es waren wichtige Persönlichkeiten der Geschichte des Islam, Uthman und seine Frau Rukiya, Tochter des Propheten, Zubayr b. Awwam, Mus'ab b. Umayr, Abdurrahman b. Awf, Abu Salama und seine Frau Umm Salama, dabei. Dieses Ereignis war wichtig, da es die erste Hidschra des Islam war und es Mohammed (sav) ermöglichte mit Afrika in Verbindung zu treten. Ein Jahr später kehrte Uthman nach Mekka zurück und aus seinen Berichten verstand man, dass die Muslime dort gut empfangen und behandelt wurden. Deswegen wanderte unter Leitung von Dscha'far b. Abu Talib eine zweite, größere Gruppe nach Abessinien aus. Damit waren es insgesamt 108 Auswanderer. Da sich die Zahl der Muslime weiterhin vermehrte, schickten die Quraisch ein Komitee nach Abessinien und forderten, dass die Muslime zurückgeschickt wurden. Dscha'far b. Abu Talib sprach im Namen der Migranten mit Nedschaschi. Seine Worte sind deshalb wichtig, da sie zeigen, welche Veränderung der Islam hervorgerufen hatte. Er sagte: "O Herrscher! Wir waren ein Volk, das die Mentalität der Dschahiliya hatte; wir beteten Götzen an, aßen das Fleisch toter Tiere und trieben Unzucht. Wir respektierten keine Verwandtschaftsverhältnisse, behandelten unsere Nachbarn schlecht. Die Starken unter uns unterdrückten die Machtlosen. Allah hat uns einen Propheten gesandt, einen von uns, dem wir vertrauten, der durch seine Keuschheit und Ehrlichkeit bekannt war. Er wollte von uns, dass wir nicht die Götzen, sondern nur Allah anbeten, das Anvertraute ehren, unsere Verwandten und Nachbarn behüten, uns richtig benehmen, nicht lügen und gegen die Blutrache sein sollen, und dass wir das Eigentum der Waisen nicht begehren und sie beschützen sollen. Also glaubten wir ihm". Ashama, der sich beide Seiten angehört hatte, lehnte die Forderung auf Rückgabe der Muslime ab.

Die Muslime blieben eine Weile in Abessinien. Dreiunddreißig der Migranten kehrten nach dem Boykott in Şi'bü Abu Talib (Stadtteil Abu Talibs) nach Mekka zurück (620 n. Chr.). Ein Teil der zurückgebliebenen Migranten ging nach der Hidschra, und die letzte Gruppe im siebten Jahr der Hidschra (628 n. Chr.) aus eigenem Willen nach Medina zurück. Obwohl die Quraisch in der Zwischenzeit, nach der Gazwa* von Badr, noch ein Komitee schickten und forderten, dass die Muslime ausgehändigt wurden, lehnte Ashama dieses nach wie vor ab.
 



* Gazwa: Schlacht (Krieg) im Namen der Religion, an welcher der Prophet persönlich teilgenommen hat.

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